Der Mensch als Industriepalast
20.11.2007
Der Mensch als Industriepalast
Stuttgart 1926, Farblithographie, US National Library of Medicine
Fritz Kahn (1888-1968)
Das Ganze muss man sich auf jeden Fall in gross ansehen, damit man die grandiosen Details nicht übersieht.
Das Bild ist Teil der Online-Ausstellung Dream Anatomy der US National Library of Medicine.
Mal abgesehen von der fantastischen Farbpalette (die ich für irgendetwas stehlen werde), welche die Illustration erstaunlich deutlich zeitlich einordnet, ist das Konzept Mensch-Maschine ja auch etwas aus der Mode gekommen.
Ich persönlich finde mich ja vor allem im Kopfbereich gut getroffen und mein inneres Wirken, bzw. Nicht-Wirken, vortrefflich illustriert:
Verstand, Vernunft und Wille sind, wie die Abteilungen eines mittelständischen Familienbetriebs, sauber voneinander getrennt — ich nehme mal an, nach Zuständigkeiten. Interessant, dass der Wille es nur bis in die zweite Etage geschafft hat, auf einer Ebene mit der Drüsenzentrale, die, bei näherem Hinsehen, immerhin schon rechnergestützt zu arbeiten scheint (der Begriff »Elektronengehirn« drängt sich auf). Sicherlich werden dort die Gefühle geregelt: Die Anzeigearmaturen dort machen für mich überhaupt keinen Sinn, was exakt meine Erfahrung mit vielen Gefühläusserungen nicht nur meiner selbst ist.
Der Verstand scheint ein einsamer Bücherwurm, der, mit dem Rücken zu den anderen, vor sich hin arbeitet. Man mag zweifeln, ob die Früchte seines Exzerpierens bei der Vernunft nebenan die Diskussion beeinflussen. Wären die Büros dann nicht sichtbar durch mindestens eine Rohrpostanlage verbunden? Überhaupt scheint mir die Unterredung bei der Vernunft recht lebhaft, während das Team Wille eher ratlos und unlustig wirkt.
Wie gesagt, ich finde mich hier wieder. Sonst noch jemand?
21.11. | 14:18
Bjoern
Jetzt wird mir klar wie das funktioniert. Als ich zur Schule ging, hat man uns noch andere Modelle gezeigt. Sah aus wie Schweineinnereien. Ich weiß noch wie ich aufsprang, mir das Karo-Hemd vom Leib riss und voller Inbrunst schrie: "Ist dies das Werk eines Schweines?" (Die unterschiedlichen Antworten von Lehrer- und Schuelerseite haben mich damals um Jahre zurueckgeworfen)
21.11. | 15:15
Bruemmer
@Bjoern: das werk eines schweins ist der Industrieplast wahrlich nicht (du uebrigens auch nicht, denke ich) – eher wohl das Daniel Düsentriebs.
das bild von deinem jugendlichen leib, von zerfetztem flanell eher enthuellt denn verborgen, finde ich verstoerend.
du im karo-hemd? ist das nicht eher ein beweis der suggestiven wirkung meiner hintergrundkachel?
da kuckst du ganz schoen kariert, was?
21.11. | 19:47
Holger
Ich wusste schon immer, das da etwas nicht stimmt in meinem Innersten. Irgend so ein Arbeiter streikt da manchmal. Nein, nicht Arbeiter, ein Schlipsträger von weiter oben, es muss der Wille sein. Aber der Körper als Chemiefabrik ist gut getroffen, ich werde das mal meinem Hausarzt mitnehmen.
21.11. | 21:51
Bruemmer
@Holger: ich moechte ja nicht leichtfertig ueber dein innerstes mutmassen, aber wenn bei dir sogar die schlipstraeger streiken duerfen …
koennte es sich ansonsten um das Peter Prinzip handeln?
22.11. | 18:53
Holger
Hmm, so weit bin ich leider noch nicht. Ich bin noch der, der für die Unfähigen buckeln muss. Aber in unserer Firma ist das System (oder Syndrom) schon bekannt und wird erfolgreich praktiziert.
23.11. | 01:01
Bruemmer
@Holger: in meiner firma, die aus mir und meinem computer besteht, habe ich mich erfolgreich bis zum level meiner unfaehigkeit nach oben gearbeitet: ich blogge jetzt.