Transit
02.12.2007
Entweder bin ich sehr hungrig oder ich habe geradesoeben die besten Erdnuesse meines Lebens gegessen: Nut Temptations acapulco - Chili & Red Paprika.
Ich habe fast vier Stunden Aufenthalt in Helsinki, und im Transitbereich des Flughafens Helsinki Vantaa gibt es einen pseudo-englischen Pub, der Newcastle Brown Ale vom Fass ausschenkt, also bin ich zufrieden.
Seltsam, dass, egal wo ich bin, diese kuenstlich erzeugte Ersatz-Pub Atmosphaere bei mir ganz verlaesslich Heimatgefuehle ausloest. Doch tatsaechlich ist die Aussicht, die naechsten drei Stunden eine wachsende Zahl an leeren Pint-Glaesern auf meinem Tisch auszurichten und im Lichte von Newcastle- und Beamish-Leuchten zu lesen, zu kritzeln und Erdnuesse zu essen, diese Aussicht also ist nicht die Schlechteste, finde ich.
Im Duty Free gab's ausserdem einen gut sortierten und begehbaren Humidor, in dem ich mich mit wenigen, aber ganz hervorragenden Havannas versehen habe, die ich im Lichte der in der Arabischen See versinkenden Sonne zu rauchen gedenke. Dem Rauch einer Romeo y Julieta auf dem Weg in den indischen Sternenhimmel nachzusehen ist sicherlich eine weitere schoene Aussicht.
Hier in Vantaa, Helsinki International Airport, fahren gedrungene Menschen mit runden Koepfen unablaessig mit Rollern hin und her, die genauso schoen glitzern wie ihre 3M-gelben Sicherheitsjacken, und die Hinweisschilder weisen auf Dinge mit aa, ii und kk hin, die wohl exotischer wirken als sie sind.
Doch trotz aller Exotik liegt der weitaus groessere Teil der Reise noch vor mir - Grund zur Aufgeregtheit eigentlich, aber immerhin ist die irsinnige Anspannung der letzten Tage mit dem erfolgreichen weil schuhlosen Passieren der Sicherheitskontrolle von mir abgefallen. Nur dreimal habe ich mich zwanghaft davon ueberzeugen muessen, das Pass, Checks und Geld noch da sind, wo sie eben noch waren. Der Moment der Panik, in dem ich sicher war, dass ich bloedes Arschloch den Lonely Planet vergessen habe, war allerdings ebenso unschoen wie grundlos.
So ganz entspannt bin ich also doch noch nicht, und das wird wohl auch noch ein paar Tage dauern: Naemlich wohl bis dann, wenn ich aufhoere, den Grad meiner Entspannung staendig am Plansoll abzugleichen.
Geografisch (immerhin 7711 km entfernt von Gunagzhou, wie ich lese) wie innerlich also ein erster Zwischenstopp meiner Reise. Diese Einsicht verdient ein weiteres Newcastle, denke ich. Aber ist sie auch ein zweites Paeckchen Erdnuesse wert? Wohl nicht, aber scheiss drauf, ich bin im Urlaub!
03.12. | 23:48
Bjoern
Wow, Du hast schon angefangen mit dem Reisebericht! Prima! "gedrungene Menschen mit runden Koepfen" - klingt wirklich finnisch. Die kommen noch mal groß in Mode!
04.12. | 14:23
stefan
ja, ich dachte, wenn ich nicht gleich anfange, dann vielleicht nie. erwarte aber keinen taeglichen bericht …