16. Oktober 1968
16.10.2008
Heute vor 40 Jahren bewiesen Tommi Smith, John Carlos und Peter Norman Zivilcourage. Das Foto des LIFE-Fotografen John Dominis ging um die Welt und ist heute als Poster erhältlich, aber Ruhm und Ehre hat ihre Geste ihnen damals nicht eingebracht.
Morgens hatte Tommie Smith noch die 200m mit 19.83 sec (Weltrekord) gewonnen; der weisse Australier Peter Norman gewann die Silbermedaille, John Carlos errang Bronze.
Politische Gesten wurden auch damals nicht gern gesehen, und so wurden die beiden US-Athleten, trotz ihrer überragenden sportlichen Leistungen in den Vorläufen und im Finale (seinerzeit das schnellste 200m-Rennen aller Zeiten) vom IOC geächtet: IOC-Präsident Avery Brundage (der 1936 in Berlin wesentlich ruhiger gewesen war) verlangte ihren Ausschlus aus der US-Olympiamannschaft. Als das amerikanische OC protestierte, drohte Brundage, das gesamte Leichtathletik Team der Amerikaner aus dem olympischen Dorf zu verbannen. Die Amerikaner kapitulierten, und Smith und Carlos mussten gehen. Über Jahrzehnte hinweg wurden sie gleichzeitig gefeiert und verachtet, und ihre sportlichen Karrieren haben nicht von dieser Aktion profitiert.
Mittlerweile wurden beide vielfach geehrt und verdienen ihr Geld als public speakers und bezahle Ehrengäste, wenn auch der olympische Bann offiziell immer noch nicht aufgehoben worden ist.
Peter Norman, der australische Silbermadaillengewinner (und damals zweitschnellster Mensch auf der Welt), galt lange Zeit als eher unbeteiligte Randfigur. Als Carlos seine schwarzen Handschuhe, die er und Smith eigentlcih tragen wollten, vergessen hatte, schlug Norman ihnen vor, sich das Paar Handschuhe einfach zu teilen, so dass auf dem Foto eine linke und eine rechte Faust erhoben sind.
Doch Norman war klar auf der Seite der schwarzen Sportler: Als sie ihn kurz vor der Siegereehrung über ihren Plan in Kenntnis setzten, hätte er sie verpfeifen und den Eklat verhindern können, wie es nach den Regeln des IOC seine Pflicht gewesen wäre. Aber neben Ratschlägen zum Handschuhproblem bezog er konkret Stellung: Auf dem Weg zum Podium sah Normann einen amerikanischen Ruderer mit einem Button des Olympic Project for Human Rights. Er borgte sich den Button und trug diesen bei der Siegerehrung, genau wie Smith und Carlos. In einem Interview im Kielwasser der Aktion kritisierte er die Rassenpolitik der damaligen australischen Regierung, die für ein White Australia stand.
Auch Normans Karriere erfuhr einen Knick nach dieser Aktion: Trotzdem er 1972 als der fünftschnellste 200m-Läufer der Welt galt und sich locker für München qualifiziert hatte, wurde er nicht in das australische Olympiateam aufgenommen. Auch bei der Olympiade in Sydney hatte er keinerlei offizielle Funktion und wurde nicht gewürdigt.
Mittlerweile gibt es enen Film über ihn, The Salute, von dem ich aber nur diese Trailer kenne. Leider kann ich mich nicht so recht an eine ähnliche Aktion in Peking erinnern …