Ludwig Hohlwein: Riquet
14.10.2008
Ludwig Hohlwein (1874 - 1949) war ein äußerst produktiver Gebrauchsgrafiker, der bereits vom 1.Weltkrieg an die deutsche Reklamekunst bis zum Ende es Dritten Reichs dominierte.
Bei einer entsprechenden Suche kann man sich so einiges ergooglen, da er so fleissig war, dass man bis heute keinen Überblick über sein Gesamtwerk hat. Neben dem Fleiss hatten es ihm auch andere Tugenden angetan, die zeitweise als deutsch galten, sodass man viele seiner späteren Arbeiten von Propagandaplakaten der Nazis kennt.
Ich habe hier mal eine Serie Hohlweins im Auftrag der Firma Riquet zusammen gestellt, die Kaffee, Kakao, Schokolade und Tee verkaufte. Die im 18. Jh. gegründete Firma gibt es nicht mehr, allerdings hat Stollwerck noch die Mark, glaube ich, und es gibt ein Riquet Kaffeehaus in Leipzig.
Neben den Produkten und den Plakaten gab es auch Dosen und eine Rosenthal Porzellanfigur anch Motiven von Ludwig Hohlwein.
Die Arbeiten stammen meines Wissens alle aus den 20er Jahren.




15.10. | 18:35
Bjoern
Dachte beim ersten Hinsehen auch an eine leicht rassistische Tönung. Diese Parallele von brauner Schokolade und brauner Haut hat bei weißer Milch und weißer Haut ja nie eine Entsprechung gefunden. Aber schön getuscht! Treibe mich gelegentlich auf amerikanischen Blogs herum, die Werbegraphiker vergangener Jahrzehnte wiederbeleben. Toller Bereich!
16.10. | 12:27
Bruemmer
ja, die assoziation von dunklem kakao & dunkler haut lag natuerlich nah, zumal ein grosser teil des kakao tatsaechlich aus afrika importiert wurde.
diese assoziation selbst halte ich grundsaetzlich ersteinmal fuer nicht rassistisch, da seinerzeit afrika nicht zu unrecht immer noch fuer das geheimnisvolle, exotische stand & hier eher positiv genutzt wird; tiefer geht das, denke ich, nicht.
zweifellos aber ist das eine alles andere als aufgeklaerte oder besonders informierte sichtweise des orients & ein klassisches bsp fuer Orientalism, der allerdings nicht nur schlecht war.
heutzutage denkt man da ja eher anders: der Sarotti Mohr heisst mittlerweile »Sarotti-Magier der Sinne«, & ein tablett traegt er auch nicht mehr. allerdings ist die assoziation von dunkler schokolade zu dunkler haut & dem schwarzen mann nicht tot zu kriegen: die neuen schokoladenkekse von bahlsen heissen Bahlsen Afrika & die werbung haut voll in diese kerbe.
dieser TV-spot hat mich schon ein wenig ueberascht, da er sich auf das zeigen eines abziehbilds vom bemalten eingeborenen beschraenkt.
16.10. | 19:45
Bjoern
Der Bahlsen-Spot wurde wohl von der Agentur 'Heim und Reich' entwickelt. Erstaunlich, daß bei einem so großen Konzern niemand mal laut zweifelt. Zu Afrika in der Zeit des Orientalism: Das Dunkle und Geheimnisvolle war immer auch verknüpft mit dem Naiven, dem Kindlichen.
17.10. | 11:08
Bruemmer
jaaaaa, stimmt, da hast du recht.
die verbindung orient - weisheit, uraltes wissen läeuft wohl eher ueber asien, arabien & aegypten als schwarzafrika.